Tag 6: Militarisierung und Straßenmusik

Der letzte Vormittag im Kibbuz Nes Ammim… noch ein bisschen Karten gespielt und gechillt, nach dem Mittagessen wird die Rückreise nach Jerusalem angetreten. Dabei ist die Militarisierung in Israel nicht zu übersehen. Überall auf dem Weg begegnen mir nach Hause fahrende SoldatenInnen mit umgehängten Sturmgewehren.
In Israel gilt die Wehrpflicht, 21 Monate für Frauen und 3 Jahre für Männer. Befreit sind orthodoxe Juden und israelische Araber, sowie nichtjüdische, schwangere und verheiratete Frauen. Außerdem ist es nur Frauen gestattet, den Wehrdienst aus Gewissensgründen zu verweigern und dafür einen zivilen Ersatzdienst anzutreten.
Die Verweigerung des Militärdienstes für Männer kommt quasi der Totalverweigerung in Deutschland gleich. Mehrere Anhörungen und die Verantwortung vor einem Gewissenskomitee sowie die meist darauffolgende Gerichtsverhandlung führen zwar zur Befreiung vom Wehrdienst, so droht jedoch eine Haftstrafe von bis zu 3 Jahren.
So kommt es, dass es sehr wenige Verweigerungen in Israel gibt. Eine Alternative ist es, beim Militärarzt psychische Probleme vorzuspielen und so die Dienstuntauglichkeit zu erreichen. Doch selbst das führt zu gesellschaftlicher Ächtung, da der Kriegsdienst von jedem erwartet wird.
Hier ein Interview mit einem israelischen Kriegsdienstverweigerer.
Und hier ein kurzer Artikel über die Friedensorganisation „New Profile“ und die Repression gegen sie.

Durch diesen hohen Anteil an Wehrpflichtigen kommt es also, dass mensch überall SoldatInnen begegnet, ob im Zug, im Bus, auf dem Basar, auf den Straßen, im Supermarkt. Und immer diese großen Gewehre dabei. Ein Bild, an das ich mich bis zum Ende meiner Reise nicht gewöhnen werde.

Soldat 1
Soldat 1

Soldat 2
Soldaten 2

Soldaten in Altstadt
Soldaten in Altstadt

Im Gegensatz dazu möchte ich einen Einblick in die fröhliche Stimmung des Abends geben. In der Jerusalemer Neustadt gibt es an jeder Ecke Livemusik und Straßenkünstler.

Stra�enkünstler
Straßen- oder vielmehr Laternenkünstler


Straßenmusik in Jerusalem

Es gibt eine ziemlich abgefahrene Gruppierung innerhalb des orthodoxen Judentums, wenn ich richtig recherchiert habe müssten es die Chabad‑Chassidim sein. Mensch erkennt sie in Israel daran, dass sie sehr ausgelassen zu laut aufgedrehter Musik tanzen.

Zu dieser orthodoxen Gruppierung noch ein zweites Video (nicht von mir gedreht). Es gibt mehrere Busse von ihnen, die mit lauter Techno-Musik durch die Gegend fahren und womöglich zu Bekehrungszwecken dienen (?)…