Tag 3: Stadterkundung, Brüno & Suppenküche

Mal wieder richtig ausgeschlafen. Zum Glück herrschen in Eriks Zimmer auch ohne Kühlanlage recht angenehme Temperaturen, liegt wohl am dicken Mauerwerk des Hospizes. Nach dem Aufstehen treff ich auf Samuel und seine Familie. Da Erik arbeiten muss, schließ ich mich ihnen und der Hospiz- und Stadtführung an. Zunächst Bilder des Hospizes, in dem Erik arbeitet:

Hospiz
Hospiz

Garten Hospiz
Volontärs-Garten Hospiz

Dach Hospiz
Blick vom Dach des Hospiz auf die Altstadt

Unfall oder Attentat?
Unfall oder Attentat?

Auf dem letzten Bild ist eine verbeulte Lüftungsverkleidung zu sehen, wozu folgendes zu erzählen ist: Mitte September 2008 fuhr ein 19 jähriger angetrunken und ohne Führerschein mit dem Auto durch die Straßen. Er verliert die Kontrolle, rast in eine Gruppe Soldaten und kracht danach gegen die Hospizmauer. So die eine Variante. Es kommt dazu, dass er Araber ist. So geht die andere Variante von einem Terroranschlag aus, die Kollision war Absicht. Deshalb wird der Jugendliche von einem Soldaten auf der Stelle erschossen. Ob Terroranschlag oder Unfall ist bis heute umstritten. Jedoch was sich danach ereignet, zeigt die angespannte Situation in Jerusalem.
Schnell sammeln sich dutzende Schaulustige, größtenteils orthodoxe Juden. Es dauert nicht lange, und es beginnt die Jagd auf Araber. Diese werden aus der Altstadt geprügelt oder mit Steinwürfen die Straße hinunter gejagt. Rache oder angestauter Hass? Egal welche Motivation, es wird übel pauschalisiert. Ein Araber macht einen Anschlag (was in diesem Fall wie schon gesagt sehr umstritten ist), alle Araber müssen dafür büßen. Ich denke, diese Pauschalisierungen (auf beiden Seiten!) sind ein Hauptgrund für den nicht zu endenden Konflikt.
Hier findet ihr einen Augenzeugenbericht von Erik dazu, der noch etwas ausführlicher ist.

Nach der Führung durch das Hospiz geht der Spaziergang durch die Innenstadt los. Da es tausende an Sehenswürdigkeiten gibt, die ich nicht alle aufführen möchte (geschweige denn mir alle gemerkt habe) nur eine kleine Auswahl an Bildern:

Stadt 1
Altstadtspaziergang 1

Stadt 2
Altstadtspaziergang 2

Stadt 3
Altstadtspaziergang 3

David
König David mit graffiti-gefärbtem Haar

Abends geht’s in die große Synagoge, The Great Synagogue, um an einem Gottesdienst teilzunehmen. Da noch Shabat ist, darf die Synagoge nicht fotografiert werden. Überhaupt ist die Benutzung elektronischer Geräte untersagt, so dass Handy und Kamera am Eingang abgegeben werden müssen. Außerdem besteht Kippa-Pflicht. Leider musste ich feststellen, dass zumindest der Gottesdienst in dieser Synagoge nicht sehr fortschrittlich ist. Frauen durften nicht teilnehmen, mussten, falls mitgekommen, in einem anderen Raum warten. Mir fällt kein anderes Wort als Sexismus dazu ein.

Am späteren Abend geht es noch ins Kino zu „Brüno“, Originalsprache mit hebräischem Untertitel :-) . Wer nicht weiß, um was es geht, schaut sich den Trailer an:

Zwar ist der Film in Jerusalem ab 18 und wir wären fast nicht reingekommen, weil nicht alle den Ausweis dabei hatten, jedoch hätte ich nicht gedacht, dass der Film überhaupt in Israel gezeigt wird. Ihn gerade hier zu sehen war durchaus noch amüsanter als ohnehin schon, denn einige Szenen spielen in Jerusalem, so werden unter anderem orthodoxe Juden auf die Schippe genommen (was mit das größte Gelächter des Publikums auslöste).
Tabus kennt der Film keine, extrem Provokant… nicht für jedeN zu empfehlen… :-D

Nach der Autofahrt zu 6. in einem Fünfsitzer noch in die „Hamarakia“ (zu dt. etwa „Suppenküche“), eine der wenigen „alternativen“ Locations in Jerusalem. Hier trifft mensch auf nette Leute und natürlich lecker Suppe. Und es gibt sehr oft Livemusik, so dass unter „Hamarakia“ bei Youtube einige Videos von Liveauftritten zu sehen sind, vor allem Jazz. Gegründet wurde sie wohl von einem lesbischen Paar, welches später nach Tel Aviv ausgewandert ist.


Fahrt vom Kino zur Suppenküche

Suppenküche 1
Suppenküche

Suppenküche 2
Erik und Gilad